Eine Pflanzenfreundin schenkte mir einen Ableger vom Kalifornischen Spiegeleiermohn Romneya coulteri. Die Pflanze kennt nur zwei Zustände. Entweder nimmt sie den ganzen Garten und das Haus und den Landkreis oder sie geht ein. Das ist ihre Strategie, in widrigen Habitaten zu bestehen. Wenn es Wasser, Nährstoffe und Licht gibt, wächst sie was das Zeug hält. Oft genug werden ihre Habitate wieder zerstört, vertrocknen im Sommer oder verbrennen im Frühling. Sie werden auch Feuerfolger genannt, weil sie in verbrannten Gegenden schnell Flächen erschließen können. Später werden sie dann von Sträuchern und Bäumen überwachsen, bis es dann halt wieder irgendwann brennt und Rhomneya sich die Hände reibt.

Legende sind die Berichte von Rhizomtrieben, die sich in den Wänden von Holzhäusern bis zu zehn Meter im Dunkeln entwickeln und die Besitzer irgendwann von einem frischen graublauen Trieb aus der Steckdose im Wohnzimmer überrascht werden. Erstaunlich ist dabei, wie hoch der Einsatz der Pflanze ist, den sie zu riskieren bereit ist. Sie weiß ja nicht, dass irgendwo in zehn Metern Licht sein wird. Sie spielt all in – und gewinnt meist.

Ihre Blüten sind mohntypisch verknittert und wie ein Spiegelei. Außen weiß, innen dottergelb. Die Blütenblätter sind etwas verknittert, die Staubgefäße bieten so viel Pollen, dass Hummeln vergessen, den Bauch einzuziehen. Das Laub ist ebenfalls mohntypisch silbergrau mit einer Wachsschicht als Verdunstungsschutz.

Der Ableger, den ich geschenkt bekommen habe, war ein langes Stück Rhizom, aufgerollt und getopft. Ein paar Triebe hielten tapfer durch, aber ich bekam auch den Hinweis, dass diese Art der Vermehrung nicht immer gelingt. Es kam, wie es kommen sollte. Die Triebe wurden irgendwann schwächlicher, fingen an zu krumpeln und starben schließlich ab. Wie so oft ist Faulheit der beste Gärtner. Ich kam noch nicht dazu, den Topf wegzuräumen, sonst hätte ich den frischen Trieb hier nicht mehr mitbekommen. Der Ableger hat es geschafft und kann im Herbst ausgepflanzt werden. Hummeln, seid gewarnt!

Sie kommt mit einer Wurzelsperre oben an den Hang. Dort kann sie sich austoben und sollte sie sich doch verbreiten, wird sie vielleicht durch die Umstände am Hang etwas gedrosselt. Zur Not muss ich einfach alles mit Bäumen zupflanzen und 50 Jahre warten.