Wenn man seinen Boden verbessern will, darf man nicht zimperlich sein. Wer seinem Boden etwas gutes tun will, füttert die Bodenmikroben. Und die freuen sich, wenn es verrottet und möglichst organisch wird.

Guter Kompost riecht nach Walderde. Jeder riecht das gerne und hält seine Nase rein. Es riecht feucht und würzig und nach allem, was werden kann. Wenn ein paar Tannenadeln mit drin sind, riecht es gleich nach Schwarzwald, was ja auch nicht zu verachten ist.

Aus Japan kommt eine Idee, dem Kompost noch etwas auf die Beine zu helfen. Milchsäurebakterien und Hefen, die sonst Sauerteig, Sauerkraut oder Kambusha machen, sollen die Küchenabfälle vorverdauen. Bokashi nennt sich das, was man ungefähr mit »Vergehen« übersetzen kann. Bokashi wird in Eimern gemacht, die man entweder fertig kaufen kann oder schnell selbst macht. Zwei gleich große Eimer werden ineinander gestellt. In den oberen kommen ein paar Löcher, damit das Bokashiwasser abfließen kann, ein Deckel drauf und fertig. Die fertigen Eimer kosten so viel wie neue Jeans, dazu werden noch EM angeboten, sogenannte Effektive Mikroorganismen, was im Grunde nichts anderes ist als Milchsäurebakterien und Hefen. Jeder Sauerteig kennt das.

Die Idee ist simpel und clever. Manche Küchenreste wie Zitrusschalen oder dicke Kohlstrünke brauchen im Kompost lange. Außerdem ist im Winter nichts los im Kompost, weil die Mikroben und Pilze Wärme brauchen. Der Bokashi-Eimer muss warm stehen, am besten irgendwo, wo er nicht stört. Mit Küchenabfällen ist der schnell gefüllt. Anders als im Kompost, wo es möglichst luftig zugehen soll, wird im Bokashi gepresst, damit keine Luft mehr drin ist. Mit ein paar Spritzern flüssigem Sauerteig wird der Haufen geimpft und dann kann die Fermentation schon starten.

simpel und clever: Bokashi

Sauerstoff hat beim Bokahi nichts zu suchen, also bleibt der Deckel zu. Muss man den Deckel doch einmal öffnen, wird es spannend. Zum Beispiel, wenn das Wasser aus dem unteren Eimer entnommen werden soll. Die Schweden kennen einen fermentierten Hering, Surströmming, der in Dosen reift. Alle Schweden rühmen sich mit Geschichten, bei denen Nachbarn grün und würgend vom Balkon hingen, wenn eine Dose Surströmming geöffnet wird. Der Geruch ist derart intensiv und unmittelbar in der Nase, dass alles im Körper schlagartig auf Panik setzt, den Magen entleeren und nie wieder an Essen denken will. Wie man da auf die Idee kommen kann, diesen stinkenden, grauen, schleimigen Heringsrest auf ein Knäckebrot zu legen und mit offener Nase zu essen, hat entweder mit sehr großem Hunger oder sehr schlechten Parties zu tun. Schmeckt übrigens sehr gut, auch wenn man den obligatorischen Schnaps danach gut gebrauchen kann.

Bokashi-Eimer Nahaufnahme mit Bokashi-Wasser
Gärtnergold: Das Bokashiwasser

Bokashi-Eimer auf, Duftwolke raus. Körper will alles loswerden, was nicht niet- und nagelfest ist. Bokashi-Wasser in den Eimer, dann mit zehnfacher Verdünnung auf die Beete. Ein Festmahl für den Boden. Denn hier kommen unzählige Bakterien, Hefen und Algen, die sich im Boden weiter durchschlagen werden. Ich habe das Bokashi-Wasser an einem trüben Februartag ausgebracht. Am nächsten Tag gingen Kinder am Garten entlang und krümmten sich unter Geschrei, dass es hier stinkt. Der Duft hält länger als Chanel. Bei der Gelegenheit: Wie wären Wasserbomben mit Bokashi-Wasser?

Ein Duft, der dir den Magen ausräumt

Der untere Eimer ist jetzt leer. Der feste Teil im oberen Bokashi-Eimer ist zu einer feuchten, kompakten Masse geworden, in der noch einzelne Teile wie die Strünke vom Blumenkohl erkennbar sind. Diese Masse vergrabe ich locker im Beet. Im Eimer sind alle Zellstrukturen schon vorverdaut, das heißt, die Mikroben im Boden können sofort loslegen. Würmer, Asseln, Tausendfüßler und Schnecken können sich den Magen vollschlagen mit dem, das mir den Magen ausräumt. Die Mikroben wandern in den Boden und erhöhen die Fruchtbarkeit.

Wenige Wochen später ist aus dem stinkenden Haufen im Beet dunkle, duftende Erde geworden. Die Wurzeln der jungen Gemüsepflanzen wachsen zielstrebig hier rein, weil es hier viel zu holen gibt. Der Rosenkohl kommt wieder in die Küche, die Strünke wieder in den Bokashi und der Kreislauf schließt sich.